Grundlagen & Haltung
Ally
Ein Ally (engl. Verbündete Person) ist eine Person, die sich aktiv für die Rechte von marginalisierten Gruppen einsetzt, obwohl sie selbst nicht betroffen ist. Allies nutzen ihre Privilegien, um Diskriminierung zu erkennen, zu benennen und gegen Ungleichheiten zu kämpfen.
Awareness
Unter Awareness verstehen wir die ganzheitliche Betrachtung aller Aktivitäten und Handlungen, Verhalten, Auftreten, Kommunikation etc. der Veranstaltung und Veranstaltenden unter der Zielsetzung einer Diskriminierungs- und Gewaltfreiheit. Awareness wird als Haltung und Handlung verstanden. Darunter fallen präventive Maßnahmen zum Schutz vor Gewalt und Diskriminierung sowie Konzepte für betroffenenorientierte Unterstützungsarbeit.
Weitere Gedanken zum Begriff und unserem Verständnis findest du hier
Betroffenenorientierte (Unterstützungs-Arbeit)
Betroffenenorientierung bedeutet, dass die Bedürfnisse von Menschen, die Diskriminierung oder Gewalt erfahren haben, im Mittelpunkt stehen. Es geht darum, zuzuhören, Unterstützung anzubieten und gemeinsam Lösungen zu finden, um die Handlungsfähigkeit der Betroffenen zu stärken.
Braver Space
Ein Braver Space ist ein Raum, der darauf abzielt, eine respektvolle Auseinandersetzung mit schwierigen Themen zu fördern, auch wenn diese emotional herausfordernd sind. Im Gegensatz zu einem „Safer Space“, der den Schutz vor Diskriminierung und Übergriffen betont, ermutigt ein Braver Space dazu, sich mit gesellschaftlichen Themen, wie Unterdrückungsmechanismen, auseinanderzusetzen, dabei jedoch Verantwortung für das eigene Verhalten und die Bedürfnisse anderer zu übernehmen. Durch einen Raum, in dem Fehler erlaubt und reflektierbar sind, können alte Muster verlernt werden.
Content Note
Eine Content Note (Inhaltshinweis) weist auf sensible oder potenziell belastende Inhalte hin, ohne den Anspruch zu erheben, eine Retraumatisierung zu verhindern. Sie informiert Leser:innen oder Zuschauer:innen über Themen wie Diskriminierung, Gewalt oder sexuelle Inhalte, damit diese selbst entscheiden können, ob sie sich mit dem Material befassen möchten. Content Notes sind eine gute Möglichkeit, Rücksicht zu nehmen, ohne medizinisch aufgeladene Begriffe zu verwenden.
Definitionsmacht
Definitionsmacht bedeutet, dass betroffene Personen selbst bestimmen dürfen, was für sie als Grenzüberschreitung, Gewalt- oder Diskriminierungserfahrung gilt. Ihre Wahrnehmung und Erfahrung wird ernst genommen, und in den Fokus gestellt. Sie haben die Möglichkeit, ihre Perspektive zu äußern.
Empowerment
Empowerment bedeutet, Menschen zu stärken und ihre eigenen Ressourcen zu erkennen. Es geht darum, Kontrolle über die eigenen Entscheidungen und Handlungen zu gewinnen, um Veränderungen zu bewirken – sowohl auf individueller als auch auf kollektiver Ebene. Empowerment fördert das Vertrauen und die Fähigkeit, Herausforderungen aktiv zu begegnen und gegen Unterdrückung oder Diskriminierung vorzugehen.
Konsens
Konsens beschreibt die freiwillige und bewusste Zustimmung aller beteiligten Personen zu einer Handlung oder Entscheidung. Es geht darum, dass jede Person ihre Zustimmung gibt, ohne Druck oder Zwang und dass ihre Grenzen respektiert werden.
Safer Space
Ein Safer Space ist ein Raum, in dem sich Menschen möglichst sicher fühlen können, frei von Diskriminierung, Übergriffen und Belästigung. Es geht darum, ein respektvolles Umfeld zu schaffen, in dem die Bedürfnisse und Grenzen aller berücksichtigt werden. Ein Safer Space soll ermöglichen, sich sicher zu fühlen und die eigene Identität ohne Angst vor negativen Konsequenzen auszudrücken. Der Begriff wird oft im Gegensatz zu einem Braver Space verwendet, da der Fokus hier stärker auf Sicherheit und Schutz liegt.
Wir gehen davon aus, dass es keinen Safe Space, also einen sicheren Raum, in dem jede Form von Verletzungen oder Übergriffen ausgeschlossen ist.
Triggerwarnung
Eine Triggerwarnung ist ein Hinweis auf Inhalte, die bei Menschen mit traumatischen Erfahrungen starke psychische Reaktionen wie Flashbacks oder Panik auslösen können. Der Begriff stammt aus dem klinisch-psychologischen Kontext und sollte gezielt eingesetzt werden – z. B. bei Themen wie sexualisierter Gewalt oder Kriegserfahrungen. Triggerwarnungen sollten nicht inflationär verwendet werden; in den meisten Fällen ist ein allgemeiner Inhaltshinweis (Content Note) passender.
Diskriminierungsformen & gesellschaftliche Machtverhältnisse
Ableismus
Ableismus ist die Diskriminierung von Menschen mit Behinderungen oder chronischen Erkrankungen. Er setzt voraus, dass nur bestimmte körperliche oder geistige Fähigkeiten als „normal“ oder „wertvoll“ angesehen werden.
Antisemitismus
Antisemitismus ist die Abwertung, Ausgrenzung oder Gewalt gegenüber jüdischen Menschen oder Personen, die als jüdisch wahrgenommen werden. Er basiert auf alten und neuen Vorurteilen, die sich unabhängig von tatsächlicher religiöser Zugehörigkeit ausdrücken können, und zeigt sich individuell, strukturell und gesellschaftlich.
Diskriminierung
Diskriminierung bedeutet, Menschen aufgrund bestimmter zugeschriebenen Merkmale wie Herkunft, Geschlecht oder Behinderung benachteiligen oder abwerten. Sie kann offen oder subtil auftreten und wird durch gesellschaftliche Strukturen oder individuelle Einstellungen verstärkt. Auch (sexuelle) Belästigung, benachteiligende Regeln, unterlassene Maßnahmen oder die Anweisung zur Diskriminierung gelten als Formen von Diskriminierung.
Gewalt
Gewalt bezeichnet jedes Verhalten, das Menschen schadet, verletzt, einschränkt oder ihnen die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben verwehrt – körperlich, psychisch, verbal, sozial oder strukturell. Sie kann direkt (z. B. Schläge, Drohungen), aber auch indirekt oder unsichtbar sein – etwa durch Diskriminierung, Ausgrenzung, institutionelle Praktiken oder Machtverhältnisse. Gewalt muss nicht laut oder offensichtlich sein; auch subtile Formen wie Ignorieren, Abwerten oder das Nicht-Schützen vor Übergriffen zählen dazu. Entscheidend ist die Wirkung auf die betroffene Person, nicht die Absicht.
Homofeindlichkeit
Homofeindlichkeit meint die Ablehnung, Abwertung oder Gewalt gegenüber homosexuellen Menschen oder solchen, die als nicht heterosexuell wahrgenommen werden. Sie zeigt sich in Sprache, Verhalten (auch körperliches und übergriffiges Verhalten), Gesetzen und Strukturen – und kann sowohl offen als auch subtil wirken.
Intersektionalität
Intersektionalität beschreibt, wie verschiedene Diskriminierungsformen wie beispielsweise Rassismus, Sexismus oder Ableismus miteinander verflochten sind. Menschen können gleichzeitig von mehreren Diskriminierungsarten betroffen sein, die sich gegenseitig verstärken und individuelle Perspektiven von Betroffenheit mit sich bringen.
Der Begriff Intersektionalität wurde Ende der 1980er-Jahre von der Juristin Kimberlé Crenshaw geprägt, um die Überschneidungen verschiedener Diskriminierungsformen – etwa Rassismus und Sexismus – sichtbar zu machen. Sie analysierte damit die besonderen Erfahrungen Schwarzer Frauen, die in gängigen Diskursen oft übersehen wurden. Zum Weiterlesen hier klicken.
Klassismus
Klassismus bezeichnet jede Form der Abwertung, Benachteiligung oder Ausgrenzung von Menschen aufgrund ihrer sozialen Herkunft oder gesellschaftlichen Stellung. Er betrifft insbesondere Personen, die aus einkommensarmen Familien stammen, einen niedrigen Bildungsstatus haben oder in prekären Lebensverhältnissen leben. Klassismus kann sich in Vorurteilen, im sozialen Umgang, in Sprache, in institutionellen Strukturen oder durch ungleichen Zugang zu Ressourcen zeigen – etwa zu Bildung, Gesundheitsversorgung oder politischer Teilhabe. Die Wirkung ist oft langfristig und strukturell verankert und sie beeinträchtigt die Selbstbestimmung und die gesellschaftliche Teilhabe der betroffenen Personen.
Nationalismus
Nationalismus ist die Vorstellung, dass die eigene Nation anderen überlegen sei und besonders geschützt werden müsse. Nationalistische Haltungen können zu Ausgrenzung, Diskriminierung und Gewalt gegenüber Menschen führen, die nicht zur konstruierten „Mehrheitsgesellschaft“ gezählt werden.
Rassismus
Rassismus ist die Diskriminierung oder Benachteiligung von Menschen aufgrund ihrer Hautfarbe, ethnischen Herkunft oder Kultur. Er basiert auf der Vorstellung, Menschen in Gruppen mit vermeintlich unterschiedlichen biologischen Merkmalen („Rassen“) einzuteilen – eine Einteilung, die wissenschaftlich widerlegt, aber gesellschaftlich wirksam ist. Dieses Konzept wurde von weißen Menschen entwickelt, um Machtverhältnisse zu rechtfertigen und gesellschaftliche Hierarchien zu sichern. Rassismus führt zu sozialer Ausgrenzung und wird durch stereotype Denkmuster sowie institutionelle Ungleichheiten verstärkt.
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Sexismus
Sexismus bezeichnet die Benachteiligung oder Abwertung von Menschen aufgrund ihres zugeschriebenen Geschlechts oder ihrer Geschlechtsidentität. Diese Form der Diskriminierung zeigt sich oft in stereotypen Rollenbildern und in der Ungleichbehandlung von Frauen und Männern.
Sexualisierte Gewalt
Sexualisierte Gewalt ist jede Form von Gewalt, bei der Sexualität zur Ausübung von Macht, zur Demütigung oder zur Grenzverletzung eingesetzt wird – unabhängig davon, ob körperliche Handlungen erfolgen. Dazu zählen z. B. unerwünschte Berührungen, sexuelle Belästigung, entwürdigende Sprache oder die Androhung sexueller Handlungen. Sie kann überall vorkommen – im Privaten, im öffentlichen Raum, in Institutionen – und trifft Menschen jeden Geschlechts. Entscheidend ist nicht, ob eine sexuelle Absicht bestand, sondern wie die betroffene Person das Geschehen erlebt.
Geschlecht, Sexualität & Identitäten
BiPoc (Black, Indigenous and People of Color)
BiPoC ist eine erweiterte Selbstbezeichnung, die Schwarze und indigene Menschen ausdrücklich sichtbar macht, da sie oft von besonders starker rassistischer Gewalt betroffen sind. Der Begriff hebt Unterschiede innerhalb von rassismuserfahrenen Gruppen hervor und betont zugleich gemeinsame Kämpfe gegen Rassismus.
cis / cis-Gender
Cis-Gender bezeichnet Menschen, deren Geschlechtsidentität mit dem Geschlecht übereinstimmt, das ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde.
FLINTA*
FLINTA* steht für Frauen, Lesben, inter, nicht-binäre, trans und agender Personen. Der Begriff beschreibt eine Gruppe von Menschen, die aufgrund patriarchaler Strukturen besonders von Diskriminierung und Gewalt betroffen sind.
Geschlechtsidentität
Die Geschlechtsidentität beschreibt, wie eine Person ihr eigenes Geschlecht erlebt und versteht. Sie kann übereinstimmen oder von dem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht abweichen und umfasst Identitäten wie männlich, weiblich oder nicht-binär. Sie bildet einen beständigen Teil des individuellen Selbstverständnisses.
inter*
Inter* beschreibt Menschen, deren körperliche Merkmale wie Chromosomen, Hormone oder Genitalien nicht eindeutig den Kategorien „maskulin“ oder „feminin“ zugeordnet werden können. Intergeschlechtlichkeit ist eine natürliche Variation der menschlichen Körpervielfalt und gehört zu den vielen möglichen Ausprägungen menschlicher Geschlechter.
nicht-binär*
Nicht-binär bezeichnet Menschen, die sich nicht ausschließlich als maskulin oder feminin oder weder noch verstehen. Sie erleben ihr Geschlecht als fließend, vielfältig oder außerhalb des traditionellen binären Systems.
PoC (Person of Color)
PoC steht für „Person of Color“ und ist eine politische Selbstbezeichnung von Menschen, die rassistische Diskriminierung erfahren – z. B. wegen ihrer Hautfarbe oder zugeschriebenen Herkunft. Der Begriff betont gemeinsame Erfahrungen mit Rassismus und dient oft der solidarischen Positionierung gegen weiße Dominanzstrukturen.
Pronomen
Pronomen wie „sie“, „er“ oder „they“ werden verwendet, um die Geschlechtsidentität einer Person auszudrücken. Die Wahl des richtigen Pronomens ist nicht nur eine Form der respektvollen Kommunikation, sondern auch ein wichtiger Ausdruck der Selbstbestimmung und Geschlechtsidentität einer Person. Indem wir die Präferenzen einer Person in Bezug auf Pronomen anerkennen, zeigen wir Wertschätzung für ihre Identität und ihre Autonomie.
Queer
Queer ist ein Selbstbezeichnung für Menschen, die sich außerhalb der gesellschaftlichen Normen von Geschlecht und Sexualität bewegen. Der Begriff wird politisch verwendet, um bestehende Normen zu hinterfragen und die Vielfalt sexueller und geschlechtlicher Identitäten zu feiern. Darüber hinaus steht „queer“ auch für eine kritische Haltung gegenüber gesellschaftlichen Machtverhältnissen und festen Kategorien – als Ausdruck von Identität, aber auch als politische und kulturelle Praxis.
TIN (trans*, inter*, nicht-binär*)
TIN ist eine Abkürzung für trans, inter und nicht-binär – also Menschen, deren Geschlechtsidentität oder -körper nicht (nur) den bei Geburt zugewiesenen Vorstellungen von „maskulin“ oder „feminin“ entsprechen. Die Abkürzung wird oft verwendet, um bewusst sichtbar zu machen, wer in geschlechtsspezifischer Diskriminierung besonders betroffen ist.
Schutz & Unterstützung
Awareness-Strukturen
Awareness-Strukturen sind feste Abläufe, Rollen und Vereinbarungen, die dafür sorgen, dass sich alle Beteiligten in einem Raum respektiert und sicher fühlen können. Sie tragen zur Prävention bei, indem sie ein Bewusstsein für grenzachtendes Verhalten schaffen und dafür sorgen, dass respektvolle Kommunikation und Achtsamkeit im Umgang miteinander gewährleistet sind.
Barrieren (in Bezug auf Barrierefreiheit)
Barrieren sind Hindernisse, die Menschen an der gleichberechtigten Teilhabe am gesellschaftlichen Leben hindern – etwa durch bauliche, digitale, sprachliche oder soziale Strukturen. Sie betreffen besonders Menschen mit Behinderungen, aber auch viele andere Gruppen, und zeigen sich z. B. durch fehlende Rampen, komplizierte Sprache oder diskriminierende Einstellungen.
Schutzkonzept
Ein Schutzkonzept ist ein struktureller Plan, mit dem Organisationen oder Gruppen Gewalt, Diskriminierung und Machtmissbrauch vorbeugen und im Ernstfall handlungsfähig bleiben. Der Begriff stammt aus dem Kinder- und Jugendschutz und wird heute auch in anderen Bereichen genutzt, um Sicherheit und Teilhabe zu fördern. Grundlage ist meist eine Risikoanalyse, ergänzt durch präventive und intervenierende Maßnahmen wie klare Zuständigkeiten, verbindliche Vereinbarungen und eine diskriminierungssensible Haltung – oft eingebettet in Awareness- und Unterstützungskonzepte.
Weitere Informationen zum Thema Schutzkonzepte gibt es hier.
Unterstützungskonzept
Ein Unterstützungskonzept beschreibt, wie Betroffene nach Gewalterfahrung oder diskriminierendem Verhalten konkret begleitet und unterstützt werden. Es ist häufig ein Teil eines Schutz- oder Awareness-Konzepts und stellt sicher, dass es klare Zuständigkeiten, niedrigschwellige Angebote und eine betroffenenorientierte Haltung gibt. Ein zentrales Element kann ein Awareness-Team sein, das ansprechbar ist, Unterstützung bietet und die Bedürfnisse der betroffenen Person in den Mittelpunkt stellt.

